Laborfleisch - Künstliches Fleisch als Ernährung der Zukunft?

laborfleisch - ernaehrung der zukunft
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Vor einigen Jahren häuften sich die ersten Meldungen über das sogenannte Laborfleisch, künstlich hergestelltes Fleisch aus Stammzellen. Der Grundgedanke dahinter hört sich zuerst einmal gut an: Günstiges, qualitativ hochwertiges Fleisch, für das kein Tier sterben muss und gleichzeitig noch den Welthunger bekämpfen. Doch was steckt wirklich dahinter und wie realistisch sind diese Behauptungen?

Was ist Laborfleisch und wie wird es hergestellt?

Das sogenannte Laborfleisch ist im Labor gezüchtetes Fleisch, welches aus den Stammzellen des jeweiligen Tieres besteht und in vitro (im Glas) heranwächst. Dem Tier werden unter Betäubung Mesenchymale Stammzellen (MSC) entnommen, die dann in eine Nährlösung gelegt werden und mehrere Tage/Wochen heranwachsen. Die Vorteile von Mesenchymalen Stammzellen sind vielfältig, da sie zu jedem Zelltypen, wie beispielsweise Muskelgewebe, Fettgewebe, Knochen, Organen etc. heranwachsen können. Zudem können sich Mesenchymale Stammzellen unendlich viele Male teilen, d.h. theoretisch können die Stammzellen eines Tieres den ganzen Planeten mit Fleisch versorgen. Anfangs war kultiviertes Fleisch mit 300.000 Euro pro Burger noch viel zu teuer. Dies änderte sich mit fortschreitender Stammzellenforschung, sodass ein Burger mit Fleisch aus Stammzellen mittlerweile nur noch 11 Euro kostet. Allerdings ist dies noch immer zu teuer um konkurrenzfähig mit konventionell produziertem Fleisch zu sein. Der Preis wird in den nächsten Jahren ohne Frage weiter sinken und somit eine Alternative zu normalem Fleisch darstellen.

In vitro Fleisch – Pro & Contra

Fleisch aus dem Labor hat im Gegensatz zu konventionell hergestelltem Fleisch viele Vorteile. Der erste und offensichtlichste Vorteil ist:

Für den Konsum von Laborfleisch muss kein Tier mehr sterben

Da für Fleisch aus dem Labor lediglich eine harmlose Biopsie durchgeführt werden muss, um an die Stammzellen zu gelangen, müssen diese Tiere nicht mehr für kultiviertes Fleisch sterben. Derzeit werden jährlich 150 Mrd. Tiere getötet. Dazu zählen Tiere wie Fische, Hühner, Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine. Künstlich hergestelltes Fleisch würde unweigerlich zu einer Reduktion getöteter Tiere beitragen und potentiell, mehreren Milliarden Tieren den Tod ersparen.

Fleisch aus dem Labor – Besser für die Umwelt

Derzeit gehört die industrielle Tierhaltung zum größten Umweltverschmutzer weltweit. Industrielle Tierhaltung ist verantwortlich für:

  • 51% der Treibhausgase
  • verbraucht etwa 1/3 der weltweiten Trinkwasserressourcen
  • beansprucht ca. 45% der weltweiten Landmasse (2012 waren es „nur“ 30%)
  • ist für über 90% der weltweiten Regenwaldabholzung verantwortlich
  • ist hauptverantwortlich für Artensterben, Todeszonen im Ozean

Laborfleisch könnte:

  • 7-45% weniger Treibhausgase verursachen
  • 82-96% weniger Wasser verbrauchen
  • 99% weniger Landmasse beanspruchen
vorteile von labrofleisch umwelt

Bild: Hier sieht man den Energieverbrauch des jeweiligen Fleisches, unterteilt in 4 Sparten (v.l. Energie Verbrauch, Treibhaus-Emissionen, Landnutzung, Wasserverbrauch) Schwarzer Balken: Rindfleisch Weißer Balken: Schafsfleisch Rosa Balken: Schweinefleisch Oranger Balken: Geflügel Lila Balken: Laborfleisch [1]

Allein diese Vorteile von in vitro Fleisch hätte weltweite positive Auswirkungen auf Umwelt, Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben.

Kultiviertes Fleisch – Bessere Qualität

Die Produktion von Fleisch aus Stammzellen wäre viel sauberer und hygienischer, da die Produzenten Kontrolle über jeden Produktionsschritt hätten. Fleisch aus dem Labor würde nicht mit Infektionen und krankheitserregenden Bakterien zu kämpfen haben, wie es derzeit gängig in der Tierzucht ist. Somit würden Antibiotika in der Fleischproduktion (hoffentlich) überflüssig, was zusätzlich weitreichende positive Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt hätte. In vitro Fleisch hätte auch nicht mit Krankheiten zu kämpfen, wie es die meisten Tiere, die in Massentierhaltung gehalten werden. Außerdem ist Laborfleisch bei der Tötung keinen Stresshormonen, ausgesetzt wie die derzeit getöteten Tiere. Je mehr Stress die Tiere vor der Tötung erleiden, desto schlechter ist die Qualität des Fleisches, da die Angst- und Stresshormone im ganzen Körper ausgeschüttet werden und auch ins Muskelgewebe übergehen. Fleisch aus Stammzellen besitzt kein Bewusstsein und spürt keinen Schmerz, deshalb fällt dieser Aspekt gänzlich weg und verbessert somit die Qualität des Fleisches.

Laborfleisch ist günstiger

Der Preis von Laborfleisch ist zwar noch nicht günstiger als der von normalem Fleisch, aber das wird sich mit der Zeit ändern. Je weiter die Technologie fortschreitet, desto bessere und günstigere Wege wird man finden, um Fleisch effizient aus Stammzellen herzustellen. Außerdem sollte beachtet werden, dass die Fleischproduktion stark subventioniert wird und derzeit nur mit Subventionen rentabel ist. Zudem wird kultiviertes Fleisch nicht nur im direkten Vergleich günstiger, sondern auch günstiger, was mögliche Folgekosten die durch Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch, entstehen.

Mögliche Nachteile, die Laborfleisch mit sich bringt:

In vitro Fleisch bleibt Fleisch

Die Mehrheit der Ernährungswissenschaftler ist sich einig:

Ein hoher Fleischkonsum ist nicht gesundheitsförderlich und erhöht das Risiko an Herzinfarkt, Diabetes, Schlaganfall, Alzheimer, Autoimmunerkrankungen etc. zu erkranken. Das wird sich auch bei in vitro Fleisch nicht ändern. Laborfleisch besitzt, genau wie konventionelles Fleisch, Cholesterin, gesundheitlich ungünstige tierische Fette wie Arachidonsäure und tierische Eiweiße, welche im Übermaß ungünstig sind. Unser Gesundheitssystem leidet derzeit schon an den Folgen übermäßigen Fleischverzehrs und die Situation würde sich durch Fleisch aus Stammzellen nicht bessern. D.h. obwohl Fleisch einen großen positiven Einfluss auf Umwelt und Tierleid hätte, müsste kultiviertes Fleisch gleichzeitig eingeschränkt werden, um sich positiv auf die Gesundheit auswirken zu können.

Laborfleisch wird noch Jahre brauchen, bis es reguläres Fleisch ablöst

Trotz vielversprechenden Aussichten, befindet sich in vitro Fleisch noch am Anfang, wird Jahre brauchen bis es ausgereift und im Laden zu kaufen sein wird . Es kann also noch durchaus 5-10 Jahre dauern, bis Fleisch aus Stammzellen an Verbraucher verkauft wird.

Fleisch aus dem Labor - Ethisch besser, aber...

Aus ethischer Sicht wird Fleisch aus dem Labor viele Vorteile gegenüber konventionellem Fleisch haben, aber es wird Massentierhaltung und Tierleid der Zuchttiere trotzdem nicht abschaffen können. Es werden zwar weniger Tiere leiden und sterben, aber so lange Tiere gezüchtet und gehalten werden, wird dies ohne Rücksicht auf das Tierwohl geschehen.

Derzeit werden noch viele tierische Komponenten für die Herstellung verwendet

Mag sein, dass die Wissenschaftler in Zukunft andere Wege finden, um kultiviertes Fleisch herzustellen. Derzeit wird fetales Kälberserum als Nährlösung verwendet, um die Stammzellen aus denen Fleisch werden soll, zu nähren [2]. Um das Kälberserum zu gewinnen, wird die trächtige Kuh geschlachtet und das ungeborene Kalb aus dem Mutterleib entfernt. Danach wird eine Nadel in das Herz des lebendigen Kalbes gestochen und dessen Blut entnommen. Dieser Prozess findet ohne Betäubung statt und kann bis zu 30 Minuten dauern. Das Kalb stirbt letztendlich durch Erstickung, da es frühzeitig aus dem Mutterleib entfernt wurde.

Bleiben noch Eier, Milch und Leder

Der Fokus liegt ohne Zweifel auf kultiviertem Fleisch, aber selbst wenn Fleisch aus dem Labor zu 100% die Nachfrage deckt, werden weiterhin Tiere für Eier, Milchprodukte und Leder gezüchtet, benutzt und getötet werden. Bei der Produktion von Eiern werden beispielsweise die männliche Küken bei lebendigem Leib geschreddert, da sie in der Eiproduktion keine Verwendung finden. Milchkühe werden mehrmals in ihrem Leben geschwängert, damit sie Milch geben, deren Kälber werden weggenommen und entweder auch als Milchkuh benutzt oder getötet. Wenn Milchkühe ausgedient haben, werden sie genauso wie alle anderen Zuchttiere geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet.

So lange es keine Labor-Eier oder Labor-Milch gibt oder ein Umdenken der Bevölkerung stattfindet, wird sich mit der Einführung von Laborfleisch und trotz guter Ei-, Milch- und Lederersatzprodukten nicht viel ändern.

Insekten - Günstiger und einfacher zu züchten

Viele Menschen empfinden Ekel gegenüber Insekten als Nahrungsmittel. Doch dieser Ekel ist unbegründet und kulturell bedingt. In Asien sind Insekten als günstige Proteinquelle beliebt und zählen teilweise zu Delikatessen. Insekten ernähren besonders in ärmeren Ländern viele Millionen Menschen, die ohne deren Nährstoffe an Hunger und Mangelerscheinungen leiden würden. Zudem würden Insekten in den Industrieländern zu Pulver verarbeitet, sodass ein Unterschied zu verarbeitetem Fleisch wie Burger kaum spürbar wäre.

Vorteile von Insekten:

  • Effiziente Produktion – Insekten wachsen und vermehren sich schnell
  • Es wird keine teure Technologie wird benötigt
  • Ethisch gibt es keine Einwände, da Insekten kein zentrales Nervensystem besitzen und somit keinen Schmerz spüren
  • Das Nährstoffprofil von Insekten ist besser als das von Fleisch
  • Die Insektenzucht ist umweltschonend und man benötigt bei richtiger Handhabung keine Antibiotika 

Fleischalternativen in 10 Jahren möglicherweise besser

Der Fortschritt bei Fleischersatzprodukten schreitet schnell und unaufhaltsam voran. Wo noch vor einigen Jahren Fleischersatzprodukte eher schlecht als recht waren, sind sie heutzutage in vielen Fällen kaum noch von einem normalen Stück Fleisch oder einem Burger zu unterscheiden. Außerdem sind Fleischalternativen günstiger und gesünder, da sie keine tierischen Fette enthalten und ein besseres Nährstoffprofil aufweisen. Es kann also durchaus sein, dass Fleischersatzprodukte in 10 Jahren die gesündere, günstigere und schmackhaftere Alternative sind als Laborfleisch.

Zusammenfassung: Der Gedanke hinter Laborfleisch ist ohne Frage gut und zu befürworten. Allein die umweltlichen und ethischen Aspekte werden einen großen Einfluss haben. Allerdings ist Laborfleisch bei weitem nicht frei von Tierleid und Tierquälerei und es muss noch viel geforscht werden, bis Fleisch aus dem Labor massentauglich ist. Auch wird es die Massentierhaltung und Fleischproduktion nicht abschaffen können, so lange die Nachfrage nach Eiern, Milch und Leder besteht. Zudem ist der Markt stark umkämpft und „Insekten Fleisch“ oder Fleischersatzprodukte, die nicht von herkömmlichen Fleisch zu unterscheiden sind, können die Vorhaben Laborfleisch zunichte machen, wenn sie günstiger herzustellen sind und von der Bevölkerung akzeptiert werden.

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